Samstag, 19. September 2009

Tag 2


Der Tag begann vom Wetter her durchwachsen, aber es lugte zu unserer Freude immer wieder die Sonne hervor. Nach dem Frühstück, welches im Keller serviert wurde (es war nicht so schlimm, wie es sich anhört) und bei dem wir uns kräftigt mit div. Käsesticks für den Tag eindeckten (man wird unglaublich satt von den Dingern), stand als Erstes erneut Westminster Abbey auf dem Programm. Dort angekommen changten wir jedoch ganz schnell our mind, denn vor der Kirche warteten bereits Massen. MASSEN. Es war nicht zu fassen. Man muss offenbar wirklich, wirklich, wirklich früh aufstehen, um nicht stundenlang anstehen zu müssen, um das Innere der Kirche zu begutachten, zumindest als Touri außerhalb der Messe. Oder man geht in der Woche, vermutlich herrscht da nicht ganz so viel Andrang.

Okay, also Planänderung. Wir beschlossen, stattdessen (nach der Besorgung eines weiteren dieses absolut fabulösen Kaffees... :großeliebe:) einen Spaziergang am Fluss entlang zu machen. Vorbei am London Eye, wo ebenfalls MASsen (hier nur drei große Buchstaben, weils nicht ganz so viele waren wie vor WA) von Leuten anstanden.

Man soll einen Wahnsinnsausblick von dort oben haben, hat man mir berichtet. Mich würden keine 10 Pferde in das Riesenrad hinein bekommen, denn ich habe Höhenangst und ich traue auch den Halterungen nicht. :paranoia: Aber es war schon beeindruckend, wenn man drunter steht.



Entlang der Promenade waren viele Straßenkünstler zu sehen. Die mir am besten gefallen haben, habe ich hier mal porträtiert. Was für ein Aufwand allein das morgendliche Schminken sein muss. Und dann stehen die die ganze Zeit starr da und bewegen sich nur (Zeitlupe!), wenn ihnen jemand Geld hinwirft. Absolut sehenswert.


Danach spazierten wir über irgendeine der vielen Brücken über den Thames River. Auf der anderen Seite spazierten wir durch einen langgezogenen Park Richtung Savoy (welches jenes Hotel ist, in dem Frau Roberts alias Anna Blabeldiblubb in „Notting Hill“ nächtigt). Auch dieser Park war wunderschön, mein Gärtnerherz schlug in den höchsten Tönen. All diese schönen, bunten, blühenden, duftenden Blümelein... hach :entzücken:


Dann ging es Richtung Tower Hill. Dort wurde erst mal verschnauft erstmal Tower und Brigde bestaunt.


Auf dem Weg zurück zur Tube, kamen wir am Trinity Square Garden vorbei. Das ist eine Gedenkstätte für ca. 24.000 verstorbene Seeleute, entweder in Kriegen oder durch Unfälle umgekommen. Alle derer Namen sind dort verzeichnet. Das ist schon echt beeindruckend.



Außerdem gibt es einen kleinen Extra-Bereich:


Jedem, der Dragonfly in Amber von Diana Gabaldon gelesen hat, dürfte auf jeden Fall der letzte Name bekannt vorkommen.


Nach unsereiner Anhübschung in the Hotel machten wir uns gegen Abend auf den Weg zum Gielgud Theatre. Das Theater ist wirklich schön. Ich mag den Old-Vicky-Style ja total. Die Streifentapete, die goldenen verschlungenen Ornamente und die roten Plüschsessel machten das Ganze perfekt. Ich mich allerings nur im Foyer getraut, Fotos zu machen.


Die Bühne selbst passte rein optisch gar nicht zu dieser Opulenz, da sie sehr schlicht und einfach gehalten war. Selten habe ich ein Stück ohne so wenig Bühnenbild auskommen sehen. Lediglich ein paar quadratische Würfel (als Sitzgelegenheiten für die Schauspieler gedacht) standen herum. Obwohl das beim Theater von Vorteil ist, wie ich finde, denn so ist der Fokus nur auf die Schauspieler gerichtet. Beim Lesen des Programmheftes stellte ich im Übrigen fest, dass Will Kemp, welcher den jungen Reiter und das „Pferd“ Nugget spielt, auch in dem Film „Van Helsing“ (mit Kate Beckinsale und Hugh Jackman) mitgespielt hat.
Ach, da sieh mal einer guck. Er war darin der Bruder der Prinzessin, der dann zum Werwolf wurde. Ich wär ja vorher allein nicht darauf gekommen, obwohl er mir seltsam bekannt vorkam. Und ich muss sagen... Holla die Waldfee! Ja. Doch. Sowohl im Film als auch auf der Bühne. :yummy:

Dann war´s soweit. Yay. Endlüsch ging et los... Als Daniel auf die Bühne kam, musste ich erst mal tief einatmen. :fangörl: Hach. Hachediehach. Ihn erstmalig live und in Farbe direkt vor mir zu sehen... das war schon... tollig.

Dabei finde ich Daniel jetzt nicht mal besonders schön oder sexy oder so. Obwohl er mir im 4. Teil von HP schon sehr gut gefallen hat, so mit langen Haaren. Aber ich mag ihn einfach, weil er schlagfertig und witzig ist, sich selbst nicht zu ernst nimmt, für jeden Spaß zu haben ist, weil er nett und höflich ist und immer Zeit für seine Fans hat.

Zu seiner Performance selbst kann ich nur sagen: Hut ab! Was er da schauspielerisch gezeigt hat, und das für einen 17jährigen, war wirklich beeindruckend. Kein Vergleich zu der hölzernen Darstellung in den Harry Potter Filmen, wo ich ihn meistens überhaupt nicht gut finde. Zwischen den Filmen und seinem Auftritt beim Theater liegen wirklich Welten!

Lasst den mal noch ein paar Jahre Erfahrungen abseits von HP machen und aus dem Jungen wird ein 1a-Charakterdarsteller werden. Ich hatte nicht einen Moment lang das Gefühl, dass er schauspielert. Er spielt nicht Alan Strang, er WAR Alan Strang (Hauptchara des Stücks).

Ganz besonders in den letzten 15 Minuten zeigt Daniel all sein schauspielerisches Können. Und dann kam es zur berühmt-berüchtigten Nacktszene (was hatten wir im Vorfeld für schöne „seriöse“ Berichterstattung... Harry Potter nackt auf der Bühne! OMG!) im Stall kommt. Ich muss sagen, ich habe währenddessen vollkommen vergessen, dass sie nackt waren, obwohl die Nacktheit ja einen großen Teil dieser Szene ausmacht und definitiv auch hineingehört, um sie authentischer zu machen.

Ich hab sogar vergessen, durch mein Opernglas zu gucken (okay, ganz kurz hab ich mal... man ist ja schließlich auch nur eine Frau Mensch). Und dann... konnte ich nur noch staunen über das, was mir da geboten wurde. Daniel spielt sich die Seele aus dem Leib, man kann die Verzweiflung von seines Charakters förmlich mit den Händen greifen. Als es in der Schlussszene zur Blendung der Pferde kam, blieb mir einfach nur noch der Mund offen stehen und ich war den Tränen nahe. Wie ein Berserker stürzt Alan (alias Dan) über die Bühne, völlig losgelöst von allem, nicht mehr zu normalem Denken fähig. Ich war rechtschaffend beeindruckt und emotional sääähr berührt. Das Stück hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Genau wie Daniel.

Danach kehrten wir ins Hotel zurück, da uns nicht nach nächtlicher Bespaßung war. Der Tag war lang gewesen, wir waren seit morgens auf den Beinen und durch das Stück waren wir – oder zumindest ich – auf einem sehr niedrigen emotionalen Level. Emopussy, die ich bin. Wir ließen das Stück noch einmal Revue passieren, packten nebenbei unsere Koffer und dann gingen wir ins Bett.

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