Montag, 30. Januar 2012

Der Tod...

...steht vor unserer Tür. Und bald klopft er das 3. Mal in 3 Jahren bei uns an. 

Vor erst drei Monaten verstarb meine Oma an einem Schlaganfall. Ein Jahr zuvor mussten wir unseren Kater wegen Leukämie einschläfern lassen. Einige werden jetzt sagen, hey, es war doch nur ein Tier. Ja, er war nur ein Tier, aber er war auch ein Familienmitglied, mit dem wir 12 Jahre zusammen gelebt haben. Mit dem wir - bis auf einige Wochenenden  und Urlaub - jeden Tag zusammen waren. Und auch wenn wir nicht dazu neigen, unsere Tiere zu verhätscheln, hat er trotzdem ein Loch in unseren Herzen hinterlassen. 

Meine Oma wurde 85 Jahre alt. Also ein Alter, in dem man durchaus damit rechnen kann/muss, dass der Tod nicht mehr allzu fern ist. Sie kam noch mehr oder weniger gut allein zurecht (musste sie auch, sie wohnte 350 km weit weg von uns), wohnte auch noch in ihrer eigenen Wohnung, nicht im Heim, und brachte so Tag für Tag hinter sich. Schön war es bestimmt trotzdem nicht. Sie musste Unmengen von Tabletten gegen alle möglichen Zipperlein nehmen und die motorischen Fähigkeiten ließen auch immer mehr nach. Wie sagte Oma immer so schön: Alt sein ist Scheiße, das sag ich dir! 

Und obwohl es natürlich unheimlich weh tut (ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Oma), kam es zwar überraschend, aber irgendwie eben auch nicht (wegen ihres Alters). Wenigstens ist sie - halbwegs - so gegangen, wie sie es sich gewünscht hatte. Schnell, ohne Schmerzen und ohne langes Dahinsiechen. Der Schlaganfall war so schwer, dass sie durch lebensverlängernde Maßnahmen am Leben gehalten wurde (und dagegen hatte sie eine Verfügung gemacht). 
Sie konnte noch selbständig atmen...das wars aber auch. Die komplette linke Gehirnhälfte hat den Schlaganfall nicht überstanden. Wenigstens hat sie nichts mehr mitgekriegt, das ist ein Trost. Jetzt ist ihre Asche unter einer Eiche in einem Friedwald in unserer Nähe begraben. 
 
Und jetzt...sucht uns der Tod bald ein 3. Mal heim. Bei meiner Schwiegermutter wurde vor einem Jahr ein bösartiger, inoperabler Tumor in der Lunge diagnostiziert. In den nächsten 9 Monaten schlug sie sich tapfer und brachte 2 Chemos hinter sich. Der Tumor in der Lunge entwickelte sich so "positiv" wie man hoffen konnte. Leider kann man das von den Metastasen, die inzwischen die Leber befallen haben, nicht behaupten. Die 3. Chemo wurde inzwischen abgebrochen, weil es ihr einfach zu schlecht geht. Es ist sowieso nichts mehr zu machen. Und jetzt warten wir auf den Tod. Es wird sich wohl nur noch um Wochen handeln.

Es ist entsetzlich, mit zu erleben, wie diese kleine und trotzdem starke und resolute Frau immer mehr verfällt. Meine Schwiegermutter und ich gehören eher zu einer Minderheit, denn wir mögen uns. Sehr sogar. Wenn die meisten im Bekannten- und Freundeskreis jammern, wie doof ihre Schwiegermütter sind, kann ich immer mit einer netten kleinen Story aufwarten: Mein Mann und ich diskutierten im Beisein meiner Schwiegermutter laut über etwas (was selten genug vorkommt...also das Diskutieren). Da geht seine Mutter zu ihm hin, gibt ihm einen Klaps auf den Hinterkopft und sagt: Sollst du deiner Frau widersprechen?! Hach, es war so großartig. Die Frau ist so großartig. 

Hat 3 Kinder, die sie nahezu allein großgezogen hat, nachdem sie sich von ihrem prügelnden Ehemann getrennt hatte. Sie hat ihre Kinder zur Selbständigkeit erzogen und als sie aus dem Haus gingen (2 Jungs, 1 Mädchen) konnten ALLE Wasche waschen, bügeln und kochen (also für den Hausgebrauch). 

Sie hat geschuftet, von früh bis spät gearbeitet, um die Familie über die Runden zu bringen und um die Schulden, die ihr Ehemann gemacht hatte (long story) abzubezahlen. Hat nie nein gesagt, wenn sie um etwas gebeten wurde. Hat Tiere aufgenommen, die keiner mehr haben wollte. Also eine Frau, die ihrem Leben so viel für andere getan und nie an sich selbst gedacht hat. 

Und jetzt, wo endlich alles erledigt ist und sie sich kurz vor der Rente befindet, bekommt sie das als Dank? Das ist nicht fair. Sie wird in 2 Wochen 61 (wenn sie die noch erlebt). 61! Und sie wird nie ihre Enkel kennenlernen. Sie hat 2 ältere Schwestern und sie wird wohl als Jüngste trotzdem zuerst sterben. Das Leben ist ungerecht, ich sag es immer wieder. Wobei man auch wieder sagen muss, dass meine Schwiegermutter nicht sehr gesund gelebt hat. Zuviel Streß und zuviel geraucht. 

Trotzdem...61 ist kein Alter zum sterben. Wirklich nicht.

1 Kommentar:

  1. Ich bin in Gedanken bei dir!
    Krebs ist einfach eine Scheißkrankheit! Ich fühle so mit dir!

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